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Tätowierungen gehören schon seit
ewigen Zeiten zur Kultur des Menschen. Schon seit der Zeit der Höhlenmalereien
der prähistorischen Menschen ist das Tätowieren eine bekannte Technik,
um sich zu verschönern,.Feinde zu erschrecken oder auch um rituelle
Bräuche und Glaubensgründe umzusetzen.
Tätowierungen schmückten die Körper, die man nach Tausenden von Jahren
aus dem ewigen Eis der Gletscher barg - hier sei zum einen der berühmte
über 5300 Jahre alte "Ötzi" als Stellvertreter für viele andere genannt,
dessen 40 Tätowierungen wahrscheinlich Heilzwecken dienten, zum anderen
die über 2400 Jahre alte Frau, die bei dem russischen Ukok-Plateau
gefunden wurde. Sie trug an Armen und Schultern kunstvolle und reich
verzierte Tätowierungen von Vögel, Hirschen und mystischen Tieren,
die mit einer Knochennadel und Ruß unter die Haut gestochen wurden.
Bisher ist sie die älteste bekannte tätowierte Frau, vermutlich war
sie eine Kriegerin, Erzählerin von Stammesgeschichten oder ähnliches
und in ihrem Stamm (Pazyryker) hoch angesehen.
Früher fügte man sich Schnitte zu und rieb dann Holzkohle, farbige
Erde oder Pflanzenteile in die Wunde, später wurde hierfür Tinte benutzt.
Pikten und Skoten, die Ureinwohner Englands, Schottlands und Irlands
beispielsweise schockierten die römischen Berichterstatter durch ihre
"bemalten" Körper, bei deren Anblick die römischen Legionen das blanke
Entsetzen packte.
Später diente die Tätowierung eher praktischen und christlichen Zwecken:
Die Seefahrer des Mittelalters versuchten sich durch ein eintätowiertes
Kreuz eine christliche Bestattung zu sichern, falls sie fern der Heimat
zu Tode kamen.
James Cook brachte 1775 von einer seiner Reisen in die Südsee einen
Tahitianer mit nach Europa, dessen polynesische Stammestätowierungen
sowohl eine wahre "Tattoomania" beim europäischen Hochadel auslösten
als auch das Erscheinungsbild des Seemanns entscheidend veränderten:
Tätowierungen wurden zum Souvenir der Seefahrer, die die Südsee bereisten,
wobei sich allerdings schnell die traditionelle Kunst der Polynesier
mit den Bilderwünschen der Kunden zu einer neuen Symbolsprache verband
- dem, was wir heute als "Traditional Tattoo" bezeichnen: Spruchbänder,
Herzen, Rosen, Schlangen, Schwerter - kurz, die ganze Palette des
Tätowierers der Jahrhundertwende in den europäischen Hafenstädten.
Bei der aktuellen Lust am Tattoo kann man also nicht von einem neuen
Modetrend sprechen, sondern höchstens von einer Renaissance. Neu ist
allerdings die stilistische Vielfalt der heutigen Tätowierungen: Von
originalgetreuen Stammestätowierungen aus der Südsee über deren moderne
Adaptionen, die Tribals bis hin zu Celtic Tattoos, in denen sich die
verschlungenen Ornamente und Tiergestalten irischer Buchmalereien
des ersten Jahrtausends n.Chr. wiederfinden. Darüber hinaus die vom
Schweizer Künstler Giger inspirierten "Biomechanics", Graffitti- und
Comic-Motive, indianische
Symbole, Tiere, einfarbige Tattoos mit vielen Schattierungen, klare
und kräftige farbige Motive - und als neuester Trend die "Neo-Traditionals",
die wieder die alte Formensprache aufgreifen.
Die Motivwahl wird immer als eine individuelle Entscheidung des Trägers
akzeptiert - was letztendlich zählt, ist die Art der Ausführung. Um
die Jahrhundertwende, als die elektrische Tätowiermaschine Einzug
in die Studios hielt, war es den Künstlern plötzlich möglich, ihre
Vorstellungen problemloser umzusetzen. In den letzten Jahren wurden
so hohe hygienische Standards gesetzt, daß mittlerweile auch das Abheilen
einer Tätowierung überhaupt kein Thema mehr ist. Die Farben sind allergiegetestet
und auf Naturbasis hergestellt, die Nadeln werden nach jedem Kunden
entsorgt und die kompletten Tattoo-Maschinen genau wie medizinische
Geräte sterilisiert.
Es gibt aber auch heute noch Tätowierer, die völlig ohne Maschinen
arbeiten und auf die alten Traditionen setzen: Zum Beispiel entstehen
die berühmten farbigen japanischen Tätowierungen auch heute noch oft
in reiner Handarbeit; auch viele Künstler aus der Südsee arbeiten
noch bzw. wieder mit Muscheln und bringen die Tätowierungen auf althergebrachte
Weise an. Das ist natürlich wesentlich zeitaufwendiger, und so gehen
für die kunstvollen Ganzkörpertätowierungen oft viele Jahre ins Land.
Sich tätowieren zu lassen ist seit Jahren absolut "IN", was einst
als "Modetrend" abgetan wurde oder - ein häufig gehörtes Vorurteil
der Vergangenheit - angeblich nur von Seeleuten oder Knastbrüdern
getragen wurde, hat sich mittlerweile durch alle Gesellschaftsschichten
hindurch als beliebter Körperschmuck etabliert.
Nach neuesten Erhebungen sind ca. 2 Millionen der Deutschen tätowiert
- Tendenz steigend. Kennt man die Clientel der Tattoo-Studios, so
blickt man auf eine bunte Vielfalt von Zeitgenossen: Ärzte, Rechtsanwälte,
Professoren, Sekretärinnen, Polizisten und natürlich viele Prominente
wie z.B. Jon Bon Jovi, US-Schauspielerin Angelina
Jolie, die Red Hot Chili Peppers, die Spice Girls, Andre Agassi,
Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar,
Lenni Kravitz, der US-Basketballer Dennis Rodman, Robbie Williams,
Bruce Willis, Sean Connery und viele andere mehr
Gerade die junge Generation von heute lässt sich durch ihre Idole
aus Showbiz und Sport inspirieren und trägt stolz ihre Tattoos zur
Schau. Der vielfältige Geschmack der Kunden, die riesige Vielfalt
der Stile
und Motive und die "Handschrift" des jeweiligen Künstlers sorgen dafür,
das jeder sein ganz persönliches, individuelles Tattoo erhält. Spätestens
wenn man einmal eines der modernen und sauberen Tattoo-Studios von
heute gesehen hat, wird einem klar, das sich das Tätowieren gewaltig
weiterentwickelt hat.
Angelina Jolie
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Stefan Kretzschmar
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